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Sonntag 05.09.2010 - 07:44

Herzlich willkommen auf der neuen Website des FLF-Tayyar.

Mit dieser Website möchten wir Ihnen einen umfassenden Überblick über die Situation im Libanon und über unsere politischen Aktivitäten geben. Der FLF (Freiheitlicher Libanesischer Freundeskreis) ist einer der Gründungsorgane der libanesischen Partei FPB (Freie Patriotische Bewegung, im Arabischen: Al-Tayyar al-Watani al-Hurr).
Der FLF–CNL, ist in Deutschland seit 1993 kulturell und pro-libanesisch politisch aktiv.

Ihr FLF-Tayyar Team

Der Libanon tickt schwarz-rot-gold
3.07.10 14:56

Foto: Andreas Wutz

BEIRUT - Nicht nur die Deutschen sind von ihrer Fußball-Nationalmannschaft völlig besessen, auch Hunderttausende Araber schwitzen heute bei ähnlichen Temperaturen für einen Sieg von Lahm, Özil, Müller & Co. Wer in diesen Tagen durch die libanesische Hauptstadt Beirut schlendert, traut seinen Augen nicht. Nahezu jede Avenue und jede Gasse wird von schwarz-rot-goldenen Fahnen dominiert. Aus manchen Fenstern hängen auch brasilianische und argentinische Flaggen. Doch die deutschen sind mit Abstand die häufigsten. Und die größten.

Egal, ob im christlichen Ostteil der Stadt, wo die Frauen in Miniröcken gern französisch parlieren, oder im Armenviertel neben dem Flughafen, wo schiitische Hisbollah-Anhängerinnen den Pinguin-Look vorziehen, überall bekennt man sich leidenschaftlich zu Deutschland. Als hätten unsere Nationalfarben den religiös und sozial zersplitteten Libanon geeint. Dabei ist Deutschland gar nicht einmarschiert.

Es ist schwer herauszufinden, was die Deutschen in dem Mittelmeerland so sympathisch macht. Weder Italien, Frankreich, Spanien oder die Niederlande stehen 2010 hoch im Kurs. „Es ist wirklich nur der Sport“, versichert der Antiquitätenhändler Yussuf, der in der Verdun-Street pompöse Möbel und Bilder feilbietet. Er habe sich auch schon gefragt, was wohl ein Deutscher denke, der das sieht. Bei dem Taxifahrer Abdul stehen die Deutschen natürlich als Autobauer hoch im Kurs. Aber hat er deshalb seinen klapprigen Honda mit den deutschen Farben versehen? Wissam, der Restaurantbesitzer, reagiert ziemlich gereizt, wenn man ihm und seinen Landsleuten politische oder historische Gründe unterstellt. Mit Hitlers Judenverfolgung, den drei deutschen Kriegsschiffen unter UN-Flagge vor der libanesischen Küste oder gar mit Angela Merkel habe das rein gar nichts zu tun.

In dem Gespräch mit ihm werden dann doch noch einige mögliche Gründe deutlich. „Wir haben nicht vergessen, wie schön die letzte WM in Deutschland war“, sagt Wissam. Seine Schwester lebt mit Familie in Köln und fühlt sich dort wohl. Und er erkundigt sich nach Özil. Die Libanesen haben sehr wohl registriert, dass mehr als zehn Spieler im Kader der Deutschen aus Einwandererfamilien stammen.

Vielleicht ist es ja auch ganz einfach, und es liegt allein am mitreißenden, sympathischen Offensiv-Fußball, den die deutsche Elf in Südafrika geboten hat? Das wiederum weiß der Berliner Lyriker Uwe Kolbe auszuschließen. Als Teilnehmer an einem Übersetzerworkshop an der Université Saint Joseph hat er bereits Ende Mai erlebt, wie in Beirut der Straßenhandel mit schwarz-rot-goldenen Shirts und Fahnen boomte.

Der fußballverrückte Libanon hat noch nie an einer WM teilgenommen. Diesmal scheiterte die kleine Nation nach einem 4:1-Sieg über Indien an Saudiarabien und Usbekistan, die sich dann aber auch nicht für Südafrika qualifizieren konnten. Um sich nun wie WM-Teilnehmer zu fühlen, nehmen die libanesischen Männer mit großer Spielfreude eine neue Identität an. Nach den bisherigen Siegen, ja sogar nach jedem Tor der Deutschen, zünden sie sogar an helllichten Nachmittagen Freudenfeuerwerke. Gar nicht zu reden von den spontanen Autokorsos in allen Teilen der Stadt. Sogar aus den Drusendörfern im Schuf-Gebirge kurven die Deutschlandfans auf Motorrollern über endlose Serpentinen mit riesigen Bannern in den Hexenkessel der Stadt, um an der Mittelmeer-Promenade ausgelassen zu feiern. Das Angenehme an der arabischen Kultur ist, dass dabei kein Alkohol im Spiel ist.

Doch heute, das befürchten selbst die größten Fans, wird Deutschland wohl von Argentinien nach Hause geschickt. Sie geloben aber, ihre Fahnen nicht gegen blau-weiße auszutauschen.

(Von Karim Saab)